Anwendung internationaler Klassifikationen in der Leistungsdiagnostik zur Berufseignung von Bewerbern mit Behinderung

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Im deutschsprachigen Raum wurde die Anpassung von Leistungstestverfahren für Bewerber mit Behinderung bisher nicht thematisiert. Daran hat auch die Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) bislang nichts geändert. Aus diesem Grunde sind die von der Berufseignungsdiagnostik normbasiert ermittelten Diagnosen für Bewerber mit Behinderungen wenig aussagekräftig. Diese Arbeit will einen Anstoß für die Forschung und für die Umsetzung in der Testpraxis geben. Zunächst werden internationale Methoden und Untersuchungsergebnisse zusammengetragen, um daraus Erkenntnisse für geeignete Testanpassungen abzuleiten. Im Anschluss daran wird das Anamneseverfahren des Institutes für Personalentwicklung und Eignungsprüfung (IfP) sowie der dort bereits seit 2009 eingesetzten Testanpassungen vorgestellt und mit der internationalen Klassifizierung der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) verbunden. Die Zielsetzung besteht darin, eine Grundlage für die Barrierebefreiung marktgängiger Leistungstests zu entwickeln. Untersucht wurden rund 120.000 Bewerber aus den Jahren 2009 bis 2014, die sich für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst beworben hatten. Darunter befanden sich 1624 Bewerber mit Behinderung. In der Testsaison 2013/2014 bearbeiteten rund 300 Bewerber in einer zusätzlichen Online-Befragung den Fragenbogen zur Kompetenz- und Kontrollüberzeugung von Krampen (1991), mit dem nach einer beeinflussenden Variablen im sozialen Umfeld gesucht wird. Darüber hinaus bearbeiteten Bewerber mit Behinderung zusätzliche Testaufgaben ohne Barrierebefreiung, welche zur Untersuchung der Auswirkungen von Testanpassungen herangezogen wurden. Die Ergebnisse zeigten deutliche Effekte beim Einsatz von angepassten Testverfahren, jedoch offenbarte sich auch weiterer Entwicklungsbedarf. Insbesondere bei Testverfahren mit hohen Speedkomponenten zeigten sich Schwierigkeiten in der zeitlichen Anpassung: Mit der zunehmenden Entwicklung von adaptiven Testverfahren lässt sich jedoch auch hier eine Lösung versprechen. Die Bedeutung von angepassten Testverfahren, die Bewerbern gleiche Chancen anbieten, wird mit den Ergebnissen zur personalen Kontrolle untermauert. So wurde bei Bewerbern mit Behinderung ein signifikant geringer ausgeprägtes Selbstkonzept eigener Fähigkeiten sowie eine geringere Selbstwirksamkeit nachgewiesen als bei Bewerbern ohne Behinderung. Daher plädiert die Autorin für eine Gleichbehandlung durch Anpassung von Testbedingungen anstatt auf Leistungsverzicht durch Bonusgaben. Einen wesentlichen Beitrag zu weiteren Entwicklungen wird die ICF leisten. Bereits heute lassen sich behinderungsbedingte Einschränkungen sehr konkret mit dieser Klassifizierung beschreiben, so dass ein Eignungstest individuell und gleichzeitig vergleichbar angepasst werden kann. Das ist notwendig, um die korrekte Zuordnung von Bewerbern zu Testanpassungen zu definieren, was bei der Überprüfung der Großschriftversion deutlich geworden ist. Darüber hinaus ermöglicht eine systematische Anwendung dieser Klassifikation nicht nur eine organisationsübergreifende, sondern sogar eine internationale Evaluation. Das bedeutende Resümee besteht darin, dass die Forschung in Deutschland dieses Themengebiet erst noch erobern muss. Die aktuell umgesetzte Inklusion in den Schulen setzt sich in ein paar Jahren auf dem Ausbildungsmarkt fort. Dazu ist ein breiteres Spektrum von Probanden im Sinne von Diversity von Diagnostikern und Testkonstrukteuren grundsätzlich in den Blick zu nehmen. Die praktische Umsetzung in beruflichen Auswahlverfahren wird zudem von Regierungsinstitutionen und – aktionen unterstützt werden müssen.
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Dokumententyp:
Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Fakultäten und Einrichtungen:
Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften » Psychologie » Dissertationen
Dewey Dezimal-Klassifikation:
100 Philosophie und Psychologie
Stichwörter:
Barrierebefreiung, angepasste Testverfahren, AGG-gerechte Tests, ICF, AGG, Bewerber mit Behinderung, Leistungsdiagnostik, Accommodation, Inklusion, Diversity
Beitragende:
Prof. Dr. Häcker, Hartmut O. [Betreuer(in), Doktorvater]
Prof. Dr. Echterhoff, Wilfried [Gutachter(in), Rezensent(in)]
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
Dissertationen / Dokument veröffentlicht
Promotionsantrag am:
10.10.2014
Dateien geändert am:
22.01.2018
Datum der Promotion:
26.08.2015
Medientyp:
Text