Studentisches Wohnen im Passivhaus; Evaluierung energieeffizienter Studierendenwohnheime

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Mit der Anwendung im Studierendenwohnheim findet das vom Wohnungsbau bis zur Produktionshalle umgesetzte Prinzip des Passivhauses in einer weiteren Gebäudetypologie Anwendung. Besonders sind vor allem die hohe Belegungsdichte und die Aufhebung der im Wohnungsbau üblichen Nutzungszonierungen: Wohnen, Arbeiten und Schlafen finden innerhalb eines Zimmers statt. Auch die Nutzerstruktur ist spezifisch: junge Bewohner im ersten eigenverantwortlich geführten Haushalt sowie hohe Fluktuation sind prägende Elemente. Die Arbeit analysiert mehrere als Passivhaus umgesetzte Studierendenwohnheime. Bei den detailliert untersuchten Gebäuden handelt sich um Bauten mit Prototypencharakter – die Bildungsherberge Hagen, 2002 als erstes Wohnheim in passivhausbauweise errichtet, die Neue Burse in Wuppertal, im Jahr 2002 umgebaut, als größte Passivhaus- Sanierung im Wohnungsbau, das 2005 in der Wiener Molkereistraße fertiggestellte Wohnheim als eines der größten Passivhaus- Wohngebäude und erstes Passivhaus- Wohnheim in Österreich. Gegenstand der Analysen ist, wie sich die Anwendung von passivhaus-typischen Merkmalen, also hochwertiger Wärmeschutz der Gebäudehülle, ventilatorgestützte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und umfangreiche Nutzung interner und solarer Gewinne im Kontext der eingangs genannten Besonderheiten darstellt. Der Fokus liegt auf der technischen Gebäudeausrüstung, d.h. der Lüftung sowie der Wandlung, Verteilung und Bereitstellung von Wärme für Heizung und warmes Trinkwasser. Zentrale Fragen sind: - Zeigen sich im Betrieb der Passivhaus- Wohnheime typische Problemstellungen? - Werden planerische Zielwerte erreicht? Ergeben sich Handlungsempfehlungen? - Wie wird das Wohnen im Passivhaus von den Nutzern angenommen? Die Untersuchung basiert im Wesentlichen auf vier Methoden: 1. Erfassung von Betriebsdaten über ein mehrjähriges Monitoring, 2. Kurzzeitmessungen, 3. Nutzerbefragungen, 4. dynamischer Gebäudesimulation. Das Monitoring stützt sich auf messtechnisch erfasste Daten, die in unterschiedlichem Detaillierungsgrad aus verschiedenen Zeiträumen vorliegen. Im Anschluss an die technische Bewertung stehen die Bewohner im Vordergrund: Der Komfort in Sommer und Winter ist Gegenstand messdatengestützter Analyse und mit Hilfe von Nutzerbefragungen überprüftem subjektiven Empfinden. Die Auswertung von Verbrauchsdaten verdeutlicht den Einfluss der hohen Belegungsdichte: durch Reduktionen bei der Heizwärme wird der Wärmeverbrauch der Trinkwassererwärmung zur dominierenden Größe. Die Energiekennwerte der untersuchten Objekte liegen zwar deutlich unter dem Niveau des zum Vergleich ermittelten Durchschnitts anderer Wohnheime, in der Planungsphase berechnete Daten werden jedoch überschritten. Die Messungen zeigen Gründe für den Mehrverbrauch aber auch Grenzen der eingesetzten Technik. Zentrale Ergebnisse sind: - Herausforderungen in der Betriebsführung: Durch die stark verringerten Heizlasten gewinnen Verteil- und Bereitstellungsverluste einen hohen Stellenwert und zeigen oft deutliches Optimierungspotential. - Nicht angepasstes Nutzerverhalten: Unkenntnis über die technische Anlagen und hohe Fluktuation der Nutzer stellen hohe Anforderungen an die Haustechnik. - Dominanz der Trinkwassererwärmung: Der Energieverbrauch zur Bereitstellung warmen Trinkwassers kann den Heizwärmeverbrauch bis um den Faktor zwei übersteigen. Erkenntnisse des realen Betriebs bilden den Hintergrund für die Erstellung von Nutzungsprofilen, die als Grundlage für simulationsgestützte Analysen dienen. Die Variation zentraler Parameter beantwortet Fragestellungen aus realen Beobachtungen und untersucht qualitativ Varianten des Einsatzes verschiedener Techniken. Durch hohe Lastwechsel stößt das funktionale Kriterium des Passivhauses, die Beheizbarkeit über die nötige Frischluft, in Studierendenwohnheimen an seine Grenzen. Größtes Einsparpotential, auch primärenergetisch gesehen, zeigt sich bei einer anwesenheitsgesteuerten Lüftung, die Heizwärme und den Bedarf der Hilfsenergie reduziert. Die Aussagen aus dem Simulationsmodell werfen bei der praktischen Umsetzung aber vor allem konstruktive Fragen auf, die im Modell nicht berücksichtigt und bei einer realen Planung zu prüfen sind.
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Dokumententyp:
Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Fakultäten und Einrichtungen:
Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen » Architektur » Dissertationen
Dewey Dezimal-Klassifikation:
700 Künste und Unterhaltung » 720 Architektur » 720 Architektur
Stichwörter:
Passivhaus, Niedrigenerhiehaus, Monitoring, Studentenwohnheim
Sprache:
Deutsch
Kollektion / Status:
Dissertationen / Dokument veröffentlicht
Dateien geändert am:
22.01.2018
Datum der Promotion:
15.10.2010
Medientyp:
Text